© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

01 1056 in Kranichstein

Zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit im hochwertigen Reisezugdienst bis 140 km/h reichten die ab 1925 gebauten Schnellzug-Dampflokomotiven der Baureihen 01 und 03 in ihrer Leistung nicht aus. Es kam daher zu einer Weiterentwicklung der 01, wobei die Erfahrungen mit den Schnellfahr-Dampflokomotiven der Baureihe 05 verwertet wurden.

So entstand die Baureihe 0110 als Drei-Zylinder-Lok mit Stromlinienverkleidung zur Verminderung des Luftwiderstandes, für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h, die ab 1939 in 55 Exemplaren sämtlich die Berliner Maschinenbau AG, vormals L. Schwartzkopff, lieferte. Insgesamt sollten 205 Lokomotiven gebaut werden. Der Weiterbau wurde aber 1940 eingestellt, da kriegswichtigeren Güterzuglokomotiven der Vorrang gegeben wurde.

Alle Lokomotiven haben den Krieg überstanden und verblieben bei der Deutschen Bundesbahn. Da auf den kriegsbeschädigten Gleisanlagen die Höchstgeschwindigkeit nicht ausgefahren werden konnte, entfernte man die unterhaltungsaufwendige Stromlinienverkleidung und setzte die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h herab. Als sich Rissbildungen in den Kesseln herausstellten, die nicht repariert werden konnten, erhielten 54 Lokomotiven noch neue Kessel.

Unsere 01 1056 erhielt von der Firma Henschel im März 1954 einen nach neuesten Erkenntnissen vollständig geschweißten, mit Verbrennungskammer, Mischvorwärmer, usw. ausgerüsteten Kessel. Gleichzeitig wurden die wichtigsten Lager am Trieb- und Laufwerk von Gleitlagern auf Rollenlager umgestellt.

Die 01 1056 war ab der Indienststellung am 8.3.1940 im Bw Halle/Saale eingesetzt und wurde Anfang 1943 nach Breslau umbeheimatet. Im Mai 1944 verlegte man sie nach Hannover und stellte sie bei Kriegsende in Uelzen ab, da Schnellzuglokomotiven in der Nachkriegszeit nicht gebraucht wurden. Das Bw Paderborn nahm sie am 1.4.1949 wieder in Betrieb, wo sie bis April 1952 blieb. Anschließend tat sie Dienst im Bw Offenburg bis August 1957. In diese Zeit fällt auch die oben erwähnte Modernisierung der Lokomotive.

Am längsten war sie im Bw Kassel von Oktober 1957 bis zum März 1970 beheimatet. Von dort gelangte sie noch für ein Jahr an das Bw Rheine, als in Kassel die Elektrolokomotiven die Dampflokomotiven abgelöst hatten. Rheine wurde zum Auslauf-Bw für die Baureihe 01.10. Am 14.7.1971 schied die 01 1056 aus dem Betrieb aus.

Zur Erinnerung an die Dampflokomotivzeit hatte die Stadt Rheine die 01 1056 als Denkmal vor dem Bahnhof Stadtberg aufgestellt. Die Erhaltung der Lok im Freien ließ sich nicht auf Dauer mit vertretbarem Aufwand verwirklichen. Sie wurde deshalb 1988 an das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein abgegeben, um dort als mächtigste deutsche Schnellzug-Dampflokomotive vom hochwertigen Reisedienst zur Dampflokzeit Zeugnis abzugeben.

Technische Daten

Bauart 2'C1' h3
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h (rückwärts 50 km/h)
Kuppelraddurchmesser 2000 mm
Dienstgewicht 176 t
Länge über Puffer 24 130 mm
Leistung 2350 PS
Kohlenvorrat 10 t
Wasservorrat 38 m3
Dampfdruck 16 bar
Verdampfungsheizfläche 247,15 m2
Zylinderdurchmesser 500 mm
Steuerungsbauart Heusinger
Hersteller BMAG (L. Schwartzkopff), Berlin
Baujahr 1940
Fabrik-Nr. 11 312