Pünktlich zur Abfahrtszeit um 10.01 Uhr verließ mit mächtiger Rauchwolke der Dampfsonderzug mit 23 042, Personenwaggons der dreißiger und fünfziger Jahre und E-Lok 141 228 am Zugende den Darmstädter Hauptbahnhof in Richtung Frankfurter Mainufer. Ein schon frühzeitig ausverkaufter Zug mit erwartungsvollen Fahrgästen fuhr am Sonntag, den 6. September, im Rahmen der „Tage der Industriekultur Rhein-Main“ auf der Main-Neckar-Bahn nach Frankfurt. Über Frankfurt Stadion und Niederrad erreichte der Zug Gleis 1 des Frankfurter Hauptbahnhofs, um dann als Rangierfahrt mit zwei Richtungswechseln im Vorfeld des Hauptbahnhofs in Frankfurt-Griesheim auf die Gleise der Hafenbahn zu gelangen.
Unter dem diesjährigen Fokusthema „Aufbruch in die Moderne“ wurde den 160 Fahrgästen an insgesamt vier Stationen der Transformationsprozess des Frankfurter Mainufers erläutert: Von der beginnenden industriellen Nutzung der 1850er Jahre bis hin zur heutigen 7,5 km langen Flaniermeile und dem Hafenpark.
Mit dem Bau der Bahnhöfe im Westen und Osten der Stadt ab 1839 wurde bereits 1859 die Verbindungsbahn am Mainufer gebaut, um den Durchreisenden eine mühsame Kutschfahrt durch die Stadt zu ersparen. Die bis heute erhaltene Bahnstrecke wird seit 1912 von der Stadt Frankfurt als Städtische Hafenbahn betrieben, nachdem mit dem Bau der Deutschherrnbrücke im Osten der Stadt die Hanauer Bahn über Sachsenhausen angebunden war und die Verbindungsbahn damit für den Durchgangsverkehr bedeutungslos wurde. Bis heute verbindet sie aber den Westhafen mit dem Osthafen und seinem Hafenbahnhof.
Das Druckwasserwerk am Westhafen, der Eiserne Steg als ehemaliger Bahnhof „Fahrtor“, die Ruhrorter Werft als Flusshafen des Frankfurter Kohleumschlags und der heutige Hafenpark am nordöstlichen Ende des grünen Mainufers waren die jeweiligen Stationen mit Ausstiegen. Für die ob der Informationsfülle und Abwechslung durchweg begeisterten Fahrgäste wurde am Hafenpark noch ein „Wasserfassen“ der Freiwilligen Feuerwehr Sachsenhausen eingebaut: Mit einem Großtanklöschfahrzeug konnten in kürzester Zeit 4.000 Liter Wasser in den Tender der Lok gepumpt werden. Über den Ostbahnhof der Hafenbahn ging es in FFM-Ost wieder auf die Gleise der DB. „Zügig“ und recht pünktlich wurde über Sachsenhausen und FFM-Louisa gegen 17.30 Uhr wieder der Darmstädter Hauptbahnhof erreicht. Die Fahrgäste applaudierten am Bahnsteig noch dem Fahr- und Lokpersonal bevor der Zug als Leerfahrt ins heimische Bahnbetriebswerk nach Darmstadt-Kranichstein zurückkehrte.
Die Bahnwelt dankt den Kollegen der Museumseisenbahn Hanau sowie der Freiwilligen Feuerwehr Frankfurt-Sachsenhausen für ihre tatkräftige Unterstützung!