Am Freitag, den 15. Mai 2026, lud der Vorstand des Eisenbahnmuseums zur Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 50jährigen Bestehens des heute unter der Marke „Bahnwelt“ betriebenen Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein ein. Mit Vertretern des Magistrats der Stadt Darmstadt, Behördenvertretern, Fachpublikum und vielen geladenen Gästen feierten die Mitglieder des Trägervereins Museumsbahn e. V. sowie seines Fördervereins am frühen Abend in einem sehr passenden Rahmen ihr Jubiläum.
Am 29. Mai 1976 wurde in Darmstadt-Kranichstein das Eisenbahnmuseum eröffnet. Vorausgegangen waren Überlegungen einer Gruppe von jungen Eisenbahnenthusiasten ab dem Jahr 1970, die versuchte, eine betriebsbereit erhaltene Dampflokomotive vor „Oldtimerzügen“ in der Region einzusetzen. Der im gleichen Jahr gegründete Trägerverein ist seither als gemeinnützig und förderungswürdig auf dem Gebiet des Denkmalschutzes anerkannt. Er bildet bis heute die Basis der Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein.
In den letzten 50 Jahren wurde das Eisenbahnmuseum Kranichstein als „Museum in Betrieb“ eine bundesweit feste Größe durch die Präsentation seiner vielfältigen Sammlung von Schienenfahrzeugen und weiteren Ausstellungen rund um die Eisenbahn.
Das denkmalgeschützte Museumsareal mit heute 3,5 ha Fläche umfasst ein Bahnbetriebswerk und Teile eines ehemaligen Rangierbahnhofs. In idealer Weise verbindet sich hier schienengebundene Industriekultur mit der Nachnutzung historischer Infrastruktur mitsamt Hochbauten und betrieblichen Einrichtungen des Eisenbahnwesens.
In seiner Begrüßungsrede ging Werner Pielhauer, seit 2021 erster Vorsitzender des Vereins, auf diese Entwicklung ein. Als einer von vielen Höhepunkten in der Geschichte des Vereins und des Museums wurde von ihm die Beteiligung anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Eisenbahnen in Deutschland im Jahr 1985 betont: „Mit einer bedeutenden Anzahl von betriebsfähigen Lokomotiven und Wagen aus der eigenen Sammlung konnten die Fahrzeugparaden ergänzt werden.“ Mit vielen Sonderfahrten auf DB-Gleisen wurde in den vergangenen 50 Jahren ein „Museum in Betrieb“ gezeigt, das heute als privat geführtes Museum zu den Großen in Deutschland zählt. Dieser Slogan „in Betrieb“ ist es auch, der das Museum heute ausmacht und die Besucher bei den Bahnwelttagen oder dem Dampflokfest stets in Begeisterung versetzt: „Überall ist Bewegung, wird etwas vorgeführt, gibt es Führungen und kann man mitmachen oder mitfahren…“
„Viele Ausstellungsbestandteile zur Eisenbahngeschichte sind seither gesammelt, aufgearbeitet und heute in Dauerausstellungen unseren Besuchern zugänglich“, so Pielhauer in seiner Einführung. „Mit 70 ehrenamtlich Aktiven und ihrem Einsatz an jedem der drei Bahnwelttage bin ich besonders stolz auf unsere Mitglieder!“
Im Anschluss sprach Paul Wandrey, Mobilitäts- und Ordnungsdezernent die Grußworte des Magistrats. Er ging in seiner Rede auch auf seine familiäre Herkunft ein, die ihn als gebürtigen Arheilger und Sohn eines Ingenieurs schon früh mit der Technik vertraut machte.
Olaf Köhler, der Leiter der Darmstädter Denkmalschutzbehörde steht seit der Ausweisung des Areals im Jahr 2017 als Industriedenkmal in engem Kontakt mit dem Verein. In seiner Rede hob er die in den vergangenen vier Jahren vom Vorstand verstärkt in den Fokus gerückte Sanierung und Instandhaltung der Gebäude- und Gleisinfrastruktur hervor. „Es verlangt viele Absprachen mit dem Denkmalschutz. Die Zusammenarbeit war in dieser Zeit stets konstruktiv und sehr, sehr vertrauensvoll. Auch im Hinblick auf die bisherigen Herausforderungen beim [ICE-]Bauprojekt durch DB-Fernverkehr.“
Rolf Höhmann, Inhaber des Darmstädter Büros für Industriearchäologie und langjähriger Berater des Vereins, legte in seinem Beitrag den Schwerpunkt auf die deutschlandweiten Sammlungen von Museen und die sich wandelnden Herausforderungen, denen sich die Betreiber heute ausgesetzt sehen. Nicht das Sammeln allein bildet schon ein zukunftsfähiges Konzept ab: Ressourcen und Prioritätensetzungen erfordern heute auch Sammlungsbereinigungen und ein zielgerichtetes Handeln. So lobte er die Verantwortlichen für die in den letzten vier Jahren vorgenommene Bereinigung ihrer Fahrzeugsammlung. Über 35 Personen- und Güterwagen fanden in anderen Vereinen und Institutionen neue Besitzer und konnten dadurch für die Nachwelt gesichert werden.
Die Stiftung Deutsche Eisenbahn, der die Bahnwelt über die Stiftung Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein angeschlossen ist, überreichte aus Anlass des Jubiläums einen Scheck über 20.000,00 €. Und auch die Modelleisenbahner aus Darmstadts Schwesterstadt Alkmaar brachten als Zeichen der Verbundenheit und Anerkennung für die langjährige Partnerschaft zwischen den Vereinen ein selbstgemaltes Bild der 98 727 „Zuckersusi“ mit. Dabei kann dieses Bild auch als Blick in die Zukunft der Bahnwelt verstanden werden, in der – neben vielen weiteren Projekten – einer der großen Meilensteine die Wiederinbetriebnahme selbiger Lokomotive sein soll, welche seit Anbeginn Teil der Sammlung ist und über die Jahre das „Maskottchen“ des Museums wurde.
Anschließend ging es für die Ehrengäste mit einer kleinen „Sonderzug-Fahrt“ mit dritter und vierter Klasse-Wagen und Dampflok ELNA zum Ringlokschuppen. Dort begrüßte Paul Wandrey erneut das Publikum. Ihm und dem dem Verein in besonderer Weise verbundenen Oberbürgermeister a. D., Jochen Partsch, wurde die Ehre zuteil, mit einer historischen Abfahrtskelle dem Lokführer auf der Lok vor dem Lokschuppen ein Signal zu geben: Prompt öffneten sich die Schuppentore und das leckere Büffet wurde auf einem Eisenbahnwaggon vor die wartende Gästeschar rangiert. Die Sektgläser durften aber erst gehoben werden, als der Dezernent im Kanon die Lokpfeifen aller betriebsfähigen Loks ertönen ließ. In seiner Funktion als Ordnungsdezernent war ihm diese „Signalwirkung“ eine besondere Ehre… und die Gäste wussten es mit viel Applaus zu würdigen!
An dieser Stelle möchten wir unseren Kooperationspartnern und Förderern für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit danken. Nur durch ein starkes Netzwerk von Unterstützern konnten viele wichtige Projekte der vergangenen Jahrzehnte umgesetzt werden. Eine vollständige Liste aller Partner aus den letzten 50 Jahren würde wohl den Umfang dieses Beitrags sprengen. Daher seien hier stellvertretend diejenigen Firmen und Institutionen genannt, die in jüngster Vergangenheit das Eisenbahnmuseum im Besonderen begleitet haben.
Zu guter Letzt sei ganz besonders Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher des Eisenbahnmuseums, die Sie uns teilweise ebenfalls schon seit 50 Jahren die Treue halten, herzlich gedankt! Sie sind der Antrieb, weswegen die Ehrenamtlichen der Bahnwelt-Institutionen sich in den letzten Jahrzehnten in unzähligen Stunden freiwilliger Arbeit für die Bewahrung von Technikgeschichte eingesetzt haben und auch mindestens für weitere 50 Jahre engagieren werden! Damit auch Ihre und unsere Enkel und Urenkel noch wortwörtlich erfahren können, wie sie damals war, die gute alte Eisenbahn!