© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

Anfang der dreißiger Jahre wurden unter entscheidender Mitarbeit der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft motorgetriebene Kleinlokomotiven entwickelt, die in Anschaffungs- und Betriebskosten weit unter denen einer Dampflokomotive liegen. Geringe Personalkosten durch Einmannbedienung und sofortige Einsatzbereitschaft dieser Fahrzeuge führten dazu, dass die Motorlokomotive ihre erste große Verbreitung in der Form der Kleinlokomotive erfuhr. Zum Antrieb dieser Lokomotiven setzte sich der Dieselmotor durch, wobei Motorleistungen von 30 bis 150 PS zur Anwendung kamen. Elektrische Antriebe mit Akkumulatoren, Benzolmotoren und auch Dampfmotoren konnten sich nicht gegen den Dieselmotor in größerem Umfang durchsetzen.

Die Kö 3504 entspricht in ihrer Konzeption den ersten, bis zur Serienreife entwickelten Kleinlokomotiven mit mechanischem Getriebe, wie sie von der Deutschen Reichsbahn in der Leistungsgruppe I (bis 50 PS) beschafft wurden. Die Entwicklung dieser Lokomotive geht bis auf das Jahr 1932 zurück. Sie bewährte sich als anspruchsloses Fahrzeug für den vorgesehenen einfachen Betrieb in kleinen Bahnhöfen und in Gleisanschlüssen, sodass die Maschinen unverändert bis zum Jahre 1958 für Industriebetriebe gebaut wurden. Eine der letzten Lokomotiven dieses alten Typs wurde 1956 von der Lokfabrik Gmeinder in Mosbach/Baden für die Albert-Chemie-Werke in Wiesbaden gebaut und dort im gleichen Jahr ohne Loknummer in Betrieb genommen. Nach 25 Dienstjahren wurde sie Reservelokomotive, da eine neuere Kleinlok in diesen, inzwischen von der Hoechst AG übernommenen Betrieb, versetzt wurde. Unter der Regie der Hoechst AG erhielt unsere Kleinlok noch mit 35-04 eine eigene Betriebsnummer. Als an dieser Lok 1983 die Zwischenuntersuchung fällig wurde, musterte man sie aus. Da sie sich in einem guten Unterhaltungszustand befand, stiftete die Hoechst AG die Lok für die Fahrzeugsammlung des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein, um dort von der Entwicklung der Kleinlokomotiven Zeugnis zu geben.

Die Fahrt ins Museum nach Darmstadt durfte die Kleinlok ab Wiesbaden-Ost über die Bundesbahnstrecke mit eigener Kraft unternehmen. Aufgrund ihrer Höchstgeschwindigkeit von nur 12 km/h, die mit dem mechanischen 3-Gang-Getriebe erreicht werden kann, dauerte die Fahrt vier Stunden. Im Eisenbahnmuseum wird diese Lok vorallem für Rangierbewegungen rund um die Drehscheibe eingesetzt. Die Kö 0295 wurde am 31.8.1948 bei der Firma Carl Freudenberg KG in Weinheim mit der Betriebs-Nr. 1 in Dienst gestellt. Später erhielt sie die Nr. 295 und im Jahre 1960 eine Knorr-Druckluftbremsanlage. Im Mai 1985 kam sie als Spende der Firma Freudenberg, mit Unterstützung der US Army, auf einem Tieflade-Lkw ins Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein.

Technische Daten Kö 3504 (in Klammern: Kö 0295)

Bauart B dm
Höchstgeschwindigkeit 12 km/h
Raddurchmesser 850 mm
Dienstgewicht 11,4 t
Länge über Puffer 5575 mm
Leistung 48 PS (50 PS)
Treibstoffvorrat 56 l
Motor MAN W4VI2118B (Kaelble F 125 d)
Zylinderzahl 4 (3)
Bohrung 120 mm (125 mm)
Kolbenhub 180 mm (200 mm)
max. Drehzahl 1000 U/min (1200 U/min)
Baujahr 1951 (1948)
Hersteller Gmeinder Mosbach
Baujahr 1956 (1948)
Fabrik-Nr. 4629 (4337)