© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

E16 08In den Alpen wurde schon fr√ľh die Wasserkraft zur Gewinnung elektrischer Energie ausgenutzt. Die Anwendung des elektrischen Stromes bei der Eisenbahn f√ľhrte zu den ersten Elektrifizierungen von Eisenbahnstrecken in Bayern. Die ersten elektrischen Lokomotiven wiesen einen Stangenantrieb auf. Eine weitere Steigerung der Geschwindigkeit √ľber 100 km/h lie√ü sich mit der Technik des Stangenantriebs nicht mehr erreichen.

Die k√∂niglich-bayrische Staatsbahn befasste sich daher noch vor dem ersten Weltkrieg mit der Entwicklung einer elektrischen Schnellzuglokomotive, die Einzelachsantrieb erhalten sollte. Beim Einzelachsantrieb wird, gegen√ľber dem Stangenantrieb, bei dem ein gro√üer Motor die Kraft √ľber ein Gest√§nge auf die Rads√§tze verteilt, auf jeder angetriebenen Achse ein separater Motor angeordnet. Dieser Antrieb hat den Vorteil, durch kleine Bauteile h√∂here Drehzahlen und damit h√∂here Geschwindigkeiten zu erreichen. Hierbei galt es, eine konstruktive L√∂sung zu finden, die den gefederten Radsatz mit dem ungefedert im Lokrahmen ruhenden Motor verbindet. Die Ereignisse des ersten Weltkrieges unterbrachen diese Entwicklung. Als sie nach dem Krieg fortgef√ľhrt wurde, war f√ľr Schweizer Elektrolokomotiven von der Firma BBC der sogenannte "Buchli-Antrieb" eingef√ľhrt worden, der sich im Betrieb gut bew√§hrte.

Die von der Deutschen Reichsbahn (Gruppenverwaltung Bayern) vollendete Entwicklung √ľbernahm daher diese bew√§hrte Antriebstechnik. Zur Erzielung eines guten Laufverhaltens und zur Einhaltung der zul√§ssigen Achslasten ist vorne und hinten jeweils eine nicht angetriebene Laufachse angeordnet, die mit der benachbarten Antriebsachse zu einem Drehgestell der Bauart "Krauss-Helmholtz" vereinigt wurde. Diese Laufwerksanordnung hat sich in 50 Betriebsjahren hervorragend bew√§hrt. Die Entwicklung erfolgte unter der bayerischen Bezeichnung "ES 1". Es kam zun√§chst zur Bestellung von 17 Lokomotiven, die im mechanischen Teil von der Lokfabrik Krauss in M√ľnchen und im elektrischen Teil von BBC gebaut wurden.

Im Jahre 1926 wurden die ersten 10 Lokomotiven noch mit den alten bayerischen Betriebsnummern ES 21001 bis 010 im Bw M√ľnchen Hbf in Dienst gestellt. Ein Jahr sp√§ter folgten die restlichen 7 Lokomotiven nach, die bereits mit den Reichsbahnnummern E 16 011 bis 017 dem Betrieb √ľbergeben wurden. Der einseitige Buchli-Antrieb bew√§hrte sich ausgezeichnet, weshalb seitens der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1931 noch 4 Lokomotiven dieser Baureihe nachbestellt wurden, die eine um etwa 10% h√∂here Leistung aufwiesen.

W√§hrend ihrer gesamten Einsatzzeit waren diese Lokomotiven in Bayern stationiert. Als eine der letzten Lokomotiven dieser Baureihe wurde die E 16 08 am 23.3.1978 au√üer Dienst gestellt. Im Jahre 1968 erhielt sie noch die computergerechte neue Betriebsnummer 116 008-4. Die Lokomotive ist bis zu ihrer Ausmusterung insgesamt 4,5 Millionen km gelaufen. Nach der Ausmusterung wurde sie nicht zerlegt, sondern f√ľr die Sammlung des Verkehrsmuseums N√ľrnberg im AW M√ľnchen-Freimann hinterstellt. Da dort ihr Abstellplatz anderweitig ben√∂tigt wurde, erhielt das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein die Lokomotive seit dem 26.4.1988 als Dauerleihgabe zur Betreuung und zur Erg√§nzung der eigenen Sammlung.

Technische Daten

Bauart   1'Do 1'w4b
Höchstgeschwindigkeit   120 km/h
Kuppelraddurchmesser   1640 mm
Dienstgewicht   110,8 t
L√§nge √ľber Puffer ¬† 16 300 mm
Stundenleistung   2340 kW
Dauerleistung   2020 kW
Größte Anfahrzugkraft   14500 kg
Antriebsbauart   Buchli
Zahl der Dauerfahrstufen   18
Baujahr   1926/1927
Fabrik-Nr.   8173/5046