© Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein

97 210n in KranichsteinZur √úberwindung sehr steiler Gebirgsstrecken durch die Eisenbahn wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts Lokomotiven entwickelt, die die Kraft zur Fortbewegung nicht nur √ľber ihre angetriebenen R√§der auf die Schiene brachten, sondern auch zwischen den Schienen liegende Zahnstangen mittels angetriebener Zahnr√§der zu Hilfe nahmen. Denn die reine Adh√§sionskraft zwischen Rad und Schiene reichte f√ľr Steigungen bis √ľber 70 Promille nicht mehr aus, sodass in diesen Steilstrecken das Zahnradtriebwerk als Antriebsquelle zugeschaltet werden konnte. Teile der deutschen Mittelgebirge und besonders die Alpen konnten damals nur mit Zahnstangenstrecken erschlossen werden.

So auch der in der Steiermark in √Ėsterreich gelegene Erzberg, von dem das gewonnene Erz mit einer Zahnradbahn abtransportiert wurde. Die Erzbergbahn wurde 1891 er√∂ffnet und in der Doppelzahnstangentechnik des Systems "Abt" betrieben. Hierzu wurden von 1890 bis 1908 insgesamt 18 gleiche Zahnradlokomotiven beschafft, die als 69.01 bis 69.18 bezeichnet wurden. Diese Lokomotiven bew√§hrten sich so gut, dass sie erst 1978 endg√ľltig von schweren Diesellokomotiven abgel√∂st wurden, die auch ohne Zahnradtriebwerk die Steigungen bezwingen konnten.

Die Lokomotive 69.10 wurde 1893 von der Wiener Lokomotiv-Fabrik AG gebaut und mit dem ‚ÄěAnschluss √Ėsterreichs‚Äú an das Deutsche Reich 1938 von der Deutschen Reichsbahn √ľbernommen und seitdem als 97 210 bezeichnet. Diese Lokomotivnummer behielt sie auch unter der heutigen √Ėsterreichischen Bundesbahn.

Als Speziallok f√ľr die Zahnstangenstrecke gebaut, blieb sie praktisch immer auf der Erzbergbahn t√§tig und war dort in der Zugf√∂rderungsstelle Vordernberg beheimatet. Nur w√§hrend des Zweiten Weltkrieges war sie zwei Monate, von Januar 1944 bis Februar 1944, in den Bahnbetriebswerken Saalfeld und Probstzella stationiert. Diese Lokomotivbauart gleicht den l√§ngst verschrotteten deutschen Zahnradlokomotiven in der Technik, da insbesondere viele Details den bayerischen Normen entsprechen. Die 97 210 trat am 01.10.1979 den langen Weg von Vordernberg ins Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein an, um hier Zeugnis von einer besonderen Bergbahntechnik abzulegen.

Technische Daten

Bauart C 1'zz n4t
Höchstgeschwindigkeit 30 (20) km/h
Kuppelraddurchmesser 1050 mm
Dienstgewicht 64,5 t
L√§nge √ľber Puffer 10 597 mm
Leistung 800 PS
Kohlenvorrat 3 t
Wasservorrat 8 m3
Dampfdruck 11 bar
Rostfläche 2,15 m2
Verdampfungsheizfläche 145 m2
Zylinderdurchmesser 480 (420) mm
Steuerungsbauart Heusinger
Hersteller Wiener Lokomotiv­-Fabrik AG bei Floridsdorf
Baujahr 1893
Fabrik-Nr. 862

(Die Klammermaße beziehen sich auf das Zahnradtriebwerk.)